Gestatten Sie ein paar Reflexionen zu dem Berg an Verleumdungen, der von den neugewählten Mitgliedern des Konsistoriums der Evangelischen Kirche von Luxemburg in kürzester Zeit vor den Toren der Kirche angehäuft wurde. Weder möchte man dabei auf die Details eingehen, noch ist anzunehmen, dass dies irgendetwas nützen könnte, denn „gegen Verleumdung wehrt sich selbst der Mächtigste vergebens; sie zeigt ihm jedoch, wie hoch er steht und wie niedrig die Lästerer denken.“ (Julius Stinde). Wenn man aber schaut, welche Rolle das Geld in den Vorwürfen dieser Personen einnimmt, dann liegt der Gedanke nahe, dass Neid und Verleumdung zwei Seiten einer Münze sein müssen, oder wie es Giacomo Casanova sagt:  „Die Tochter des Neides ist die Verleumdung.“

Manche meinen, dass man sich an dieser Stelle doch besser zu den Vorwürfen erklären oder rechtfertigen sollte, aber „die schönste Antwort auf Verleumdung ist, daß man sie stillschweigend verachtet.“ (Johann Jakob Engel) Keiner muss ja das Urteil, das andere über ihn sprechen wollen, annehmen, zumal wenn es unter mehr als fragwürdigen Umständen zustande gekommen ist, denn „Verleumdung ist ein Schuldspruch, der in Abwesenheit des Nicht-einmal-Angeklagten hinter verschlossenen Türen, ohne Verteidigungs- und Berufungsrecht, von einem voreingenommenen Richter verkündet wird.“ (Philibert-Joseph Roux). Wer von uns würde solche Urteile akzeptieren wollen? 

Natürlich könnte man mit gleicher Münze heimzahlen, aber ist das angemessen? Wohl kaum, denn „Verleumdung ist die Erleichterung der Bösartigkeit.“ (Joseph Joubert). Nicht umsonst ist das Wort „Dung“ ein wesentlicher Bestandteil des Wortes Verleum-DUNG, und man sollte den Dreck anderer Leute meiden, statt darin herumzuwühlen.

Manche sagen fast entschuldigend, dass es sich dabei doch „nur“ um etwas überzogen scharf formulierte Kritik handeln würde. „Aber zwischen den Begriffen Kritik und Verleumdung besteht ein wesentlicher Unterschied, auch wenn sie aus Buchstaben desselben Alphabets gebildet werden.“ (Maxim Gorki). Kritik unterscheidet, meist zwischen Gutem und Schlechtem, und hat eine Verbesserung der Verhältnisse zum Ziel. Verleumdung aber unterscheidet nicht zwischen Wahrheit und Lüge und will die Verhältnisse nicht verbessern, sondern Personen zerstören.

Aber selbst wenn man die Verleumder wegen ihrer Bosheit verachten mag, so kann man der Verleumdung mit einer Portion Sarkasmus auch etwas Gutes abgewinnen, denn „die Verleumdung ist nicht ganz ohne ethische Bedeutung. Sie schätzt die Möglichkeiten höher ein als die Tatsachen.“ (Arthur Schnitzler) Bedauerlich ist natürlich, dass der Verleumder tatsächlich auch ohne Tatsachen sein Publikum findet, denn „wo die Glocke der Verleumdung läutet, ist schnell eine gläubige Gemeinde beisammen.“ (Peter Sirius). Aber dem ist entgegenzuhalten, dass dies auszuhalten ist, jedenfalls solange wie es nicht strafbar ist. Denn „nur wer ein großes Ziel im Auge hat, kann die kleinen entbehren, nur derjenige, welchen ein Gedanke stark macht, kann leiden; nur wer wartet, kann viel ertragen: Hohn, Verleumdung, Bosheit.“ (Bjørnstjerne Bjørnson). Dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren ist die eigentliche Aufgabe.

In dieser kleinen christlichen Kirche gibt es seit Jahrzehnten eine eigentümliche Lust an Streit und Zank mit den Pfarrern. Keine Mühen wurden von einigen gescheut, um Skandale mittels Verleumdung zu hegen und zu pflegen: Kranichfeld, House, Peutz, Burbacher, Imbert. Deren Schicksal mitzugestalten beschäftigte manche Christen mehr als die biblischen Geschichten. Wie anders ist es zu erklären, dass kaum ein Pfarrer in 150 Jahren, der die frohe Botschaft verkünden sollte, ungeschoren davon kam. Fast jeder Pfarrer wurde mit der unverfrorenen Bosheit der Verleumdung konfrontiert. Der unerfreuliche Streit zwischen Gemeinde und Pfarrer zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieser Gemeinde, und man erkennt durch die Zeiten hindurch eine lange, generationenübergreifende Tradition. Man könnte fast sagen, Verleumdung ist das unsichtbare Band, welches manche Menschen seit Generationen in Luxemburg zu einen scheint. Und man fragt sich, welche Lehren und Predigten zu hören waren, welche Gebote nicht mehr gelehrt wurden, oder welche Traumata diese Menschen geprägt haben, dass jeder moralische Kompass gleichsam kollektiv abhanden gekommen zu sein scheint. 

Dagegen hilft nicht die empörte Gegenrede, oder das Schmollen des Gekränkten, sondern Aufklärung und Widerstand – auch mit den Mitteln der Justiz. Jetzt haben sich die Damen und Herren des Konsistoriums und der beigeordnete Pfarrer in der Öffentlichkeit wiederholt entblößt und ihr wahres Gesicht gezeigt. Selbst wenn man beschämt wegschauen möchte, dann ist dies wohl die beste Gelegenheit, um sich und andere künftig besser vor Verleumdung zu schützen, und die Tradition der Verleumdungen zu thematisieren und hoffentlich auch zu beenden, denn „es gibt etwas, was noch schlimmer ist als die Verleumdung: die Wahrheit.“  (Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord).

Und die wartet geduldig darauf, zur rechten Zeit und am rechten Ort erzählt und gehört zu werden. Und das diese Zeit bald gekommen ist, das ahnt man, wenn man die Eile der Damen und Herren sieht: Abstimmen ja – diskutieren lieber nicht – Gesetze beachten – bloss nicht! Da hat man den Schlüssel zu allem: Eile ist geboten, weil man Befürchtungen hegt. Was aber hat jemand zu befürchten, wenn er die Wahrheit gesagt hätte? Wohl nur das eine: das offenbar wird, das da doch nicht die Wahrheit gesagt wurde. Am heiligen Sonntag soll die Ernte eingebracht werden, die Ernte einer unheiligen Saat, die aus Lügen besteht, deren Haltbarkeit wohl begrenzt zu sein scheint. Wenn die Urheber von Verleumdungen schon zu erkennen geben, dass ihre Lügen nicht haltbar sein werden, wer will solchen Leuten denn da noch Glauben schenken? In der Kirche glaubt man doch hoffentlich an andere Dinge.

Wohlgemerkt, dies alles gilt nur, wo die Grenze zum Strafbaren nicht überschritten wird. Alles andere regelt das Gesetz.